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Kapitel 5 Die Abhilfe

5. Unwesen stoppen, Zukunft meistern

Deutschland geht es gut. Darum soll alles so bleiben wie bisher. Das war der politische und gesellschaftliche Tenor am Ende des vierten Kapitels.
Wenn die Welt, die Gesellschaft und die Technik gleich bleiben würden, wäre eine solche Geisteshaltung noch akzeptabel. Aber es ändert sich Grundlegendes um uns herum. Es haben schon große Umwälzungen begonnen. Sich auf dem Wohlstand der Mehrheit in Deutschland auszuruhen und das Bisherige nicht grundsätzlich neu auf die Zukunft auszurichten, ist dekadent. Der Veränderungsdruck im Kontext des BauWesens wird in diesem Kapitel deutlich. Was muss sich ändern? Wie kann die Zukunft aussehen? Wie kann die Erneuerung forciert werden? Antworten auf interessante Fragen – nicht nur für das BauWesen.

Unterkapitel:

  • Das 21. Jahrhundert wird knapp, flach und alt
  • Das schnelle und sichere Ende des deutschen BauUnwesens
  • Der Weg zum BauWesen Version 2.0 für Deutschland
  • Besserung bewirken: Wegweiser für Fachleute und für Bürger

Das 21. Jahrhundert wird knapp, flach und alt

Das BauUnwesen gab es partiell schon immer. Und bisher ging es doch gut. Träume und Visionen wurden in Stein gemeißelte Realität. Bauwerke werden oft viel teurer als geplant, sie hatten auch schon immer grobe Mängel und wurden Jahre zu spät fertig. Die Bauherren haben sich schon immer gern überschuldet und über ihre Verhältnisse gebaut. Jeder Bauherr wollte unabhängig von Budgetgrenzen und Mitsprache sein Projekt nach seinem Willen und Geschmack entwickeln können.

Die Folgen des BauUnwesens: unersättliche Absorption menschlicher und finanzieller Ressourcen bei gleichzeitigem Verfall des Bestands. Ignoranz gegen drohendes Ungemach.

In Deutschland wurde aus einem punktuell überall in der Welt bekannten Phänomen ein eingehend beschriebenes, flächendeckendes, staatlich sanktioniertes System. In Kapitel 2 wurde gezeigt, wie es der deutsche Beamtenstaat für die regierenden Politiker in Deutschland fest verankert hat. In Kapitel 3 wurde erklärt, dass ausufernde Bauprojekte überhaupt nichts mit dem Bauen selbst zu tun haben. Es liegt auch nicht an der Kompetenz der beteiligten Menschen oder Unternehmen. Das BauWesen eines Landes ist grundsätzlich verantwortlich dafür, wenn aus einem gelegentlichen, unvermeidlichen Ausrutscher bei Bauprojekten ein Massenphänomen wird und die gesamte Öffentliche Hand die Fähigkeit verliert, innerhalb der Zeit, innerhalb des Budgets und in einer ausreichenden Qualität im Sinne des späteren Betriebs zu bauen. Es sind die Folgen eines sich jahrzehntelang entwickelten BauUnwesens, das die Renovierung und Sanierung unserer öffentlichen Infrastruktur zu einem aussichtslosen, nicht finanzierbaren Abenteuer macht.

Staat und Gesellschaft zeigen massive Zeichen von Dekadenz. Im Audio-Videopodcast  Elbphilharmonie Kosten – Gesamtbilanz wird das überdeutlich.

Wird einfach so weitergemacht, geht es bald unweigerlich bergab. Es wird nicht nur die jungen Menschen treffen. Auch die baldigen Alten werden darunter leiden, wenn es mit dem BauUnwesen nicht bald ein Ende hat und Deutschland ein Bauwesen für das 21. Jahrhundert errichtet. Denn es sind gewaltige Herausforderungen zu bewältigen. Werden sie zu lange nicht ernst angenommen, werden sie zum unlösbaren Problem. Unsere Zukunft ist geprägt durch folgende Umwälzungen.

Energie wird knapp und damit teuer: Gemäß den Prognosen der EU-Kommission werden die Energiekosten aller EU-Länder von 1,215 Mrd. Euro im Jahr 2010 auf 1,740 Mrd. Euro im Jahr 2020 steigen; das ist ein Anstieg von mehr als 500 Mrd. Euro pro Jahr (Quelle: Europäische Kommission).

Wo sparen wir dieses Geld andernorts ein? Wie können wir auf dem Weltmarkt jährlich für 400 Mrd. Euro mehr Waren und Dienstleistungen verkaufen? Um diesen Betrag wird nämlich die Rechnung für importierte Energie für die EU steigen. Wir werden im Jahr 2020 bei der Energie einen Importanteil von 60 Prozent haben.